Jubel auf der Hohen Eiche

Jubel auf der Hohen Eiche

Die Ausgangslage

Zwei Wochen hatten Thorben und seine Jungs Zeit, sich auf das letzte Spiel der Feldsaison 2016/17 taktisch und mental vorzubereiten, die Verletzungen bei einigen Spielern auszukurieren und für die notwendige Umstellung zu sorgen, weil einige Stammspieler aus beruflichen bzw. ausbildungstechnischen Gründen nicht dabei sein konnten.

Sollte das Spiel gegen den HC Ludwigsburg wirklich das „Schicksalsspiel“ werden, das über Abstieg oder fortgesetzte Zugehörigkeit in der 2. Bundesliga entscheiden würde? Würde man es mit einem Unentschieden oder gar mit einem Sieg ausgerechnet gegen den HCL aus eigener Kraft schaffen? Oder war man bei einer Niederlage gar auf die Schützenhilfe anderer Vereine angewiesen?

Wer bei der „Kabinenpredigt“ dabei war, musste sich eigentlich keine Sorge machen. Thorben hatte wie immer den Gegner akribisch analysiert, hatte Stärken und Schwächen herausgearbeitet und natürlich seinen Jungs die geeigneten Rezepte mit auf den Weg gegeben. Und die „Motivationsprise“ von Co-Trainer Eike mochte seinen Teil dazu beigetragen haben, dass die HTC´ler mit erhobener Brust und voller Selbstbewusstsein – wenn auch mit dem gebotenen Respekt vor den bisher so erfolgreichen Ludwigsburgen – den Platz betraten und von der ersten Minute an konzentriert und engagiert ihre Chancen suchten. Auf die Mithilfe anderer wollte man sich nicht verlassen; man wollte den notwendigen Punkt aus eigener Kraft schaffen.

Das Spiel

Der HCL musste schnell gemerkt haben, dass der abstiegsgefährdete HTC sich gegenüber dem Hinspiel deutlich weiterentwickelt hatte. Und so beschnupperten sich die beiden Mannschaften bei herrlichem Sommerwetter und vor einer Kulisse von ca. 300 Zuschauern, unter denen sich ein geschlossener Block von ca. 50 Zuschauern aus Ludwigsburg befand, in der ersten Viertelstunde, um die „verwundbare Stelle“ des jeweils anderen herauszufinden. Dies gelang zuerst dem immer noch erfahreneren Team aus der Barockstadt, als sie eine kleine Unachtsamkeit in der HTC-Defensive in der 14. Minute zur 1:0 Führung ausnutzten.

Der HTC, gewohnt mit Rückständen umzugehen, änderte nichts an seiner Strategie, aus einer tief gestaffelten Abwehr mit schnellen Kontern die eigenen Chancen zu suchen. Ein solcher Vorstoß führte in der 18. Minute für den HTC zur überhaupt allerersten kurzen Ecke des Spiels. Eigentlich war die Ecke nicht gut ausgeführt, doch irgendwie kam der Ball zu Anton, der sich freistehend nicht zweimal bitten lassen musste und die Kugel im Gehäuse zum 1:1 Ausgleich unterbrachte. Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Kabine.

Nach dem Wechsel sollte sich erweisen, wie Recht Thorben mit seiner Analyse hatte, dass in der HCL-Abwehr die Schwachstelle und damit die Chance für seine Jungs lag. Und die wurde von dem an diesem Tag brillant aufgelegten Anton zweimal eiskalt ausgenutzt. Zweimal wurde er mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte von Paul bzw. Vincent bedient, umtanzte die beiden noch verbliebenen HCL-Verteidiger und hämmerte die Kugel zum 2:1 (39. Minute) und wenig später zum 3:1 (48. Minute) in den gegnerischen Kasten. Gegen derart schnelle Gegenstöße hatte der HCL an diesem Tag keine Mittel gefunden. Sollte es also tatsächlich gelingen, mit drei Punkten das Spiel zu beenden?

Nun, dagegen hatten HCL-Trainer Daniel Weißer und seine Mannen durchaus etwas einzuwenden. Keineswegs wollte man sich nachsagen lassen, den Abstiegskampf durch die eigene Spielweise beeinflusst zu haben, um den HTC so zu schonen. Und die Nachbarschaftsduelle der beiden Vereine haben schon seit Generationen ihren eigenen Charakter. Er wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen und damit auch die bisher beste Saisonleistung in einer Feldsaison krönen; also blies er zum sofortigen Angriff, der dann auch durch zwei Tore bis zur 53. Minute zum 3:3 Ausgleich führte; und der HCL war in dieser Phase die spielbestimmende Mannschaft, ohne aber dass der HTC wirklich „wackelte“.

Mit einem kuriosen Tor in der 64. Minute konnte Sebastian den HTC erneut in Führung bringen. Und wieder war es die HCL-Abwehr, die dem HTC diese Möglichkeit eröffnete. Einen total „verkorksten“ Abschlag angelte sich ein eigentlich in der Rückwärtsbewegung befindlicher Sebastian, drehte sich um, machte die paar Meter bis zum gegnerischen Kreis und versenkte die Kugel zur 4:3 Führung im Ludwigsburger Gehäuse.

Mit einem zusätzlichen Feldspieler(statt Torwart) wollten es die Gäste jetzt unbedingt erzwingen; wenn schon kein Sieg, dann wenigstens ein Unentschieden. Und das gelang ihnen auch schließlich in der vorletzten Minute.

Fazit

Das 4:4 Unentschieden entspricht dem Verlauf eines unterhaltsamen und spannenden Saisonfinales; die Gäste behalten ihren 3. Tabellenplatz – Glückwunsch von der Hohen Eiche – und der HTC verbleibt – auch durch die Ergebnisse der anderen Spiele – gesichert auf dem 6. Tabellenplatz und darf ab sofort für die nächste Saison planen.

Wenn es Thorben und seinem Trainerteam gelingt, in den nächsten Wochen und Monaten das eigentlich noch junge HTC-Team konsequent weiterzuentwickeln, neue Talente an die Mannschaft heranzuführen und gestandene Spieler erfolgreich zu integrieren, dann sollten wir in der kommenden Saison nicht bis zum letzten Spieltag warten müssen, um jeglicher Abstiegssorgen ledig zu sein.

Wir werden Euch vermissen

Einige der Kickers-Spieler haben am vergangenen Samstag ihr vorerst letztes Spiel für den HTC bestritten; einige wissen noch nicht genau, ob sie in der kommenden Saison nicht aus den unterschiedlichsten Gründen für einen anderen Verein auflaufen werden. Als Team Manager der 1. Herren möchte ich mich bei Samuel und Paul bedanken, die in den nächsten 12 Monaten Neuseeland bzw. Argentinien „unsicher“ machen wollen; aber sie werden dann voraussichtlich wieder zurückkommen. Mein Dank geht auch an Matti und Christian, die aber wohl endgültig der Hohen Eiche den Rücken kehren werden, weil Ausbildungsabschnitte zu Ende gegangen sind und persönliche Herausforderungen anderenorts gesucht werden.

Ich bedauere den Weggang jedes einzelnen von euch, habe aber vollstes Verständnis dafür, dass ihr euch auch außerhalb Stuttgarts weiterentwickeln wollt. Seid bedankt für eure Zeit und euer Engagement und denkt stets positiv an den HTC zurück!

Zurückkehren in den Kader werden zum Sommer Jonas und Nico. Weitere Zugänge werden wir noch „akquirieren“ müssen, hat es sich doch auch über diese Saison gezeigt, dass ein Kader von mindestens 24 Spielern notwendig ist, um Ausfälle der verschiedensten Art kompensieren zu können, ohne einen zu starken Leistungsabfall zu erleben. Wir arbeiten daran!

 

Dr. Albert-Hugo Stinnes

12. Juni 2017