Berlin ist (nicht) immer eine Reise wert

Berlin ist (nicht) immer eine Reise wert

Das vergangene Doppel-Wochenende mit zwei Spielen bei TC Blau Weiß Berlin und TuS Lichterfelde stand fürwahr nicht unter einem glücklichen Stern. Da hatte zunächst das Sturmtief „Xavier“ eine reibungslose Anreise der Akteure gründlich durcheinander „geblasen“, und dann waren da auch noch zwei gegnerische Mannschaften, die all unsere Bemühungen zunichtemachten, Punkte aus der Hauptstadt mit in die schwäbische Metropole zurückzunehmen. Aber der Reihe nach!
Eigentlich wäre Trainer Thorben Wegener gerne mit einer einigermaßen fitten Mannschaft in Berlin zu den beiden wichtigen Spielen gegen zwei Spitzenteams unserer Liga angereist. „Xavier“ hatte etwas dagegen. Aufgrund schulischer oder beruflicher Verpflichtungen waren wir schon gezwungen, in zwei etwa gleichstarken Gruppen die Reise anzutreten, von denen die eine eh nicht vor Mitternacht in Berlin angekommen wäre. Es sollte schlimmer kommen.
Die Unbefahrbarkeit bestimmter Streckenabschnitte aufgrund von Sturmschäden zwang schon in Stuttgart zu Umdispositionen und damit Verlängerungen der Reise. Statt der üblichen 6 Stunden Fahrzeit waren die beiden Gruppen deshalb 10 bzw. 8 ½ Stunden unterwegs (die letzten waren erst um 3.00 Uhr im Hotel) mit der Folge einer verkürzten Nacht für die Mehrzahl unserer Aktiven – nicht gerade ideale Voraussetzungen für die Anstrengungen, die uns in den beiden Spielen erwarteten.
Umso erstaunlicher was die Jungs geleistet haben!
In dem samstäglichen Spiel gegen einen der beiden heißen Aufstiegskandidaten – TC Blau Weiß Berlin – sah es lange danach aus, dass dem HTC eine große Sensation glücken könnte. Vorbildlich von Thorben auf dieses Spiel eingestellt, boten unsere Jungs, bei denen in diesem Spiel erstmals Fabian Breisig das Tor hütete, nicht nur einen großen Kampf, sondern waren über weiter Strecken des Spiels die cleverere Mannschaft. Zu Recht hatte Berlins Trainer sein Team vor dieser „ganz soliden, in den letzten zwei Jahren richtig gut gewordenen Stuttgarter Mannschaft“ gewarnt. Dass wir zur Pause durch Tore von Moritz Petermann (1. BuLi-Tor) und Paul Singh mit 2:1 führten, war für ihn deshalb auch nicht überraschend. Erst in der 2. Halbzeit „erkannten die Berliner den Ernst der Lage“ und erhöhten den Druck, um im Aufstiegsrennen nicht unnötige Punkte liegen zu lassen. Und so konnte der souverän haltende Fabian auch in den letzten 10 Minuten zwei Berliner Treffer nicht verhindern, die aus dem greifbar nahen Sieg eine unglückliche 2:3 Niederlage machten. Immerhin haben wir gezeigt, dass wir auf hohem Niveau mitspielen können; vielleicht hat uns gegen Ende ein wenig Cleverness und der nötige Wille gefehlt, die Sensation perfekt zu machen.
Und da diese Niederlage – so berechtigt sie vielleicht aufgrund des reiferen Spielermaterials bei Blau Weiß war – doch bei den Aktiven schmerzt, umso erstaunlicher war festzustellen, wie Thorben es in der Zeit zwischen den beiden Spielen und in der unmittelbaren Vorbereitung für das Spiel gegen TuS Lichterfelde verstand, seine Jungs wiederaufzurichten und neu zu motivieren, die nächste schwere Aufgabe anzugehen. Immerhin hat TuS Li in der vergangenen Saison noch in der 1. Bundesliga gespielt und trotz eines Fehlstarts mit zwei Niederlagen seine Ambitionen des erneuten Wiederaufstiegs nicht aufgegeben.
Und auch in diesem Spiel sahen die Zuschauer zwei unterschiedliche Halbzeiten, in denen der TuS Li Trainer und Freund von Thorben in der ersten Hälfte eine „besser strukturierte und stärkere Mannschaft“ im HTC-Team sah, die es aber nicht verstand, einige „98%ige Chancen in eine Pausenführung“ umzumünzen. Erst in der 2. Halbzeit gelang es den Hausherren, unsere Ordnung zunehmend zu stören, was dann auch gegen Ende des 3. Viertels durch einen Doppelschlag für eine 2:0 Führung der Hausherren reichte. Der Anschlusstreffer durch Paul zum 1:2 kam zu spät.
Trotz der beiden Niederlagen können wir aus Berlin mitnehmen, dass wir gegen Top-Mannschaften mithalten können, wenn es auch zu einem Punktgewinn noch nicht reicht; auch gegen die Zehlendorfer Wespen, einen weiteren Aufstiegsaspiranten, haben wir das vor einigen Wochen auf eigenem Platz beweisen können. Voller Zuversicht können wir deshalb auch am kommenden Samstag zum letzten Spiel der Vorrunde nach Frankfurt fahren; unsere knappen Ergebnisse gegen die führenden Teams sind auch dort sicherlich registriert worden. Mit dem gegenwärtig 5. Tabellenplatz wollen wir nicht zufrieden sein, können wir aber angesichts der Qualität, die in unserem Team steckt, durchaus leben.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
09. Oktober 2017