Befreiungsschlag mit 6 Punkten

Befreiungsschlag mit 6 Punkten

Die Ausgangslage an diesem Wochenende hätte schlechter nicht sein können: keiner der beiden Stamm-Torhüter zur Verfügung, zahlreiche Umstellungen seit dem letzten Wochenende notwendig, immenser Druck wegen des letzten Tabellenplatzes!

Fabian war auf einer seit langem genehmigten „Auszeit“ in Holland, und Moritz lag geschwächt mit einem Magen-Darm-Infekt im Bett: „Macht Euch mal Gedanken, wer die Schienen anzieht“, musste Trainer Thorben noch am Donnerstag in die WhatsApp-Gruppe der Mannschaft schreiben. Und weil keiner das wollte, kamen die Jungs auf lauter gute Ideen, wen man denn noch aus dem „Hockey-Torwart-Museum“ reaktivieren konnte. Und es waren verdammt gute Vorschläge, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte.

Mit seinen 34 Jahren war Markus „Makke“ Schäfer noch der jüngere der beiden „Talente“, der sich spontan bereit erklärte, in dieser misslichen Situation auszuhelfen. Obwohl er seit über 4 Jahren keine Schienen mehr anhatte, zeigte sich schon bald, dass er sein Handwerk überhaupt nicht verlernt hatte. In Frankenthal hat er über 70 Minuten nur einen einzigen Treffer zugelassen und durch mehrere mutige Paraden gezeigt, dass mit ihm an diesem Samstag in jeder Beziehung zu rechnen war. „Makke“ überzeugte nicht nur durch eine gekonnte Abwehrleistung, sondern gab auch schon bald die verbalen Impulse, die von einem guten Torwart erwartet werden.

Unser Torwart-Oldie Andreas „Pelle“ Pelzner ist sicherlich noch dem einen oder anderen durch seine überzeugende Hallen-Performance aus der Saison 2014/15 bekannt. Gottlob hatte der inzwischen 51jährige gerade wieder eine Reihe von Verletzungen auskuriert, als ihn unser Notruf in Aachen am Freitag erreichte. Sein Pass war noch gültig, seine Torwart-Ausrüstung haben wir ihm aus Stuttgart mitgebracht und seine Bereitschaft, uns zu helfen, hat auch er keine Sekunde infrage gestellt. Und auch „Pelle“ musste in Frankfurt am Sonntag nur ein einziges Mal das Spielgerät aus seinem Kasten herausholen. Ansonsten hat er souverän und gekonnt mit beneidenswerten Reflexen alles abgewehrt, was in seine Richtung kam.

Beide „Oldies“ im Kasten waren an diesem Wochenende mit Garanten dafür, dass wir „unversehrt“ wieder die Heimreise antreten konnten, wofür wir ihnen auch von dieser Stelle aus herzlich Dank sagen möchten.

Ja und dann fehlten noch Grosso (Dienst), Jakob (Prüfung) und Matti (Verletzung), für die Thorben mit Julius, Christian, Samuel und Carlo (nur Sonntag) vier Spieler auf die Reise mitnahm, die in der Rückrunde noch gar nicht im Aufgebot waren.

Die Geschichte der beiden Spiele in Frankenthal und Frankfurt ist schnell erzählt. Beide Spiele endeten mit einem 2:1 Sieg unserer Jungs, die die beiden gegnerischen Trainer in ihren Kommentaren letztlich auch als verdient bezeichneten. Natürlich hatten sowohl die TGF als auch SC80 mehr Spielanteile und Ballbesitz, vielleicht auch ein leichtes Übergewicht bei den herausgearbeiteten Torchancen. Dagegen aber stand eine HTC-Mannschaft, die stets „hinter dem Ball“ war, eine unwahrscheinliche Laufleistung zeigte, die notwendige Härte im Kampf Mann gegen Mann offenbarte, vor allen Dingen aber das von Thorben und Eike vorgegebene System der Raumdeckung fast perfekt und über die gesamte Spielzeit umsetzen konnte. Mit dieser Strategie hatte weder die TGF noch SC80 gerechnet und trotz mehrfacher Anstrengungen – bis hin zum Auswechseln des Torhüters gegen einen weiteren Feldspieler – auch kein geeignetes Gegenmittel gefunden.

Überhaupt hat dieses Wochenende gezeigt, dass die Jungs große Fortschritte gemacht haben, woran natürlich der gesamte Trainerstab – Thorben, Eike, Benni und Claus – sowie unsere Physio Tjorven in den vergangenen Wochen permanent gearbeitet haben. Mitbekommen habe ich an diesem Wochenende auch, mit welchem Nachdruck Thorben die Jungs im Training, in der Video-Analyse vor dem Spiel und an der Taktik-Tafel in den Spiel-Unterbrechungen immer wieder auf den Gegner neu eingestellt hat, um nachher noch von der Bank aus ständig mit Anweisungen auf die jeweilige Spielsituation zu reagieren– eine enorme auch nervliche Strapaze! „Vielleicht brauche ich bald eine Sabbatical-Auszeit“ (O-Ton Thorben).

Nachgetragen sei noch, dass die Tore in Frankenthal von Lukas und Anton kamen, während in Frankfurt Youngster Carlo (was für ein Einstand im 1. BuLi-Spiel) und erneut Anton die Tore schossen.

Bravo Jungs: mit Engagement, Athletik, Konsequenz, Abgeklärtheit und Cleverness sowie einer geschlossenen Mannschaftsleistung habt Ihr Euch vom Tabellenende weggebracht. Wir sind noch nicht durch, aber wenn wir in dieser Weise die beiden nächsten Spiele gegen unsere Mit-Konkurrenten um die sicheren Plätze bestreiten, müssen wir uns keine Sorge machen, in der kommenden Saison nicht auch wieder in der 2. Bundesliga zu spielen.

Dr. Albert-Hugo Stinnes

8. Mai 2017