Absprung verpasst

Absprung verpasst

Nach dem Spielplan bestand an diesem Doppel-Wochenende mit dem Auswärtsspiel gegen den Limburger HC und dem anschließenden Heimspiel gegen die TG Frankenthal für unsere Jungs die Möglichkeit, sich vor dem kommenden schweren Berlin-Wochenende ein „wenig Luft nach unten“ zu verschaffen.
Mit dem Tabellenachten aus Limburg wartete zunächst aber am Samstag eine schwere, aber doch lösbar erscheinende Aufgabe. Butti war nach seiner Verletzung wieder dabei; dafür hatte Eubi sich krankgemeldet und auch Moritz P. musste ersetzt werden; und dass Wüte immer noch nicht fit ist, soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Im Tor gab Trainer Thorben Wegener an diesem Samstag wieder einmal Jolle den Vorzug vor Lars.
Die Vorbesprechung und Einstellung auf den Gegner hatte Thorben schon vor der Abfahrt im HTC vorgenommen, so dass jeder auf der langen Fahrt nach Limburg die Chance hatte, sich seine Rolle im Spiel einzuprägen und die Spannung positiv aufzubauen. Thorben hatte insbesondere vor den langen Schlenzern aus der Limburger Abwehr in die freien Räume unserer Spielhälfte gewarnt. Nach seiner Video-Analyse waren das die Spielzüge, die immer wieder Gefahrenmomente erzeugen würden.
In der ersten Halbzeit waren die Kickers, die im Limburger Hockey-Stadion einzig die Unterstützung unseres „Edel-Fans“ Rickey hatten, die klar dominierende Mannschaft. Die Heimmannschaft schaffte es fast überhaupt nicht, richtig Druck auf unseren Kreis auszuüben, und wenn man trotzdem zum Abschluss kam, war da auch noch Jolle als unser letzter Mann.
Die 1:0 Pausenführung in der 18. Minute entsprang einer feinen Einzelleistung von Anton, der nach einem Limburger Zuordnungsfehler im Mittelfeld den Ball erhielt, sich in seiner unnachahmlichen Art nach vorne „durchkämpfte“ und im Schusskreis dann auch nicht mehr lange fackelte und erfolgreich abzog.
„Alles richtig gemacht“, konnte Thorben in der Pause nur konstatieren. Und so machten die Jungs in der zweiten Halbzeit da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten. Zwischen der 40. und 50. Minute hatten Anton und Paul gleich mehrere gute Chancen, das Ergebnis zu unseren Gunsten zu verbessern; allein die Schüsse verfehlten das Limburger Tor nur knapp. Und so musste die Kickers-Bank bis zur 52. Minute warten, bis erneut Anton unsere erste Strafecke in diesem Spiel zum beruhigenden 2:0 Zwischenstand vollstreckte.
Die jetzt wütenden Angriffe der Gastgeber in der Schlussphase fanden ihren Meister in einem zweimal sicher parierenden Jolle; im Gegenteil hatten unsere Jungs noch in der Schlussminute die Möglichkeit auf ein weiteres Tor durch drei Strafecken. Und so blieb es beim insgesamt gerechten Sieg der Kickers von 2:0.
Und nach der Devise „never change a winning team“ vertraute Thorben kein 24 Stunden später im Breuninger Hockeypark bei herrlichem Herbstwetter und vor einer Kulisse von etwa 200 HTC-Fans derselben Formation vom Vortag auch im Spiel gegen den Tabellenletzten TG Frankenthal. Die Warnung stand jedoch ganz groß im Raum: „Unterschätzt diesen Gegner nicht; er ist angeschlagen von seinem Samstagsspiel gegen den HCL, als letzterer eine 3:0 Führung der Frankenthaler innerhalb von nur fünf Minuten in einen 3:3 Ausgleich verwandelte“.
Das Unentschieden gegen den HCL hatte die Gäste aber eher motiviert als demoralisiert; Thorbens Warnung war also voll berechtigt. Sie legten mit viel Elan los – keine Spur vom Auftritt eines Tabellenletzten. Und so kam es dann auch, dass es schon nach sechs Minuten zum ersten Mal in unserem Kasten einschlug, der an diesem Tag von Lars gehütet wurde. Das war der Weckruf für die Kickers, die jetzt mit viel Entschlossenheit das gegnerische Tor berannten. Schon zwei Minuten nach dem Rückstand war es Paul, der seinen Schläger in eine scharf hereingegebene Flanke auf den linken Pfosten hielt und damit für den 1:1 Ausgleich sorgte. Dabei blieb es auch bis zur Halbzeit, wobei der TGF-Keeper mindestens fünf todsichere HTC-Chancen durch gekonnte Paraden vereiteln konnte.
Im 3. Viertel passierte eigentlich nicht viel, sieht man einmal davon ab, dass jedes Team eine Strafecke zur Ergebnisverbesserung hatte.
Im 4. und letzten Viertel fielen dann aber die Tore beinahe im „Minutentakt“. Zunächst gingen die Gäste in einem Doppelschlag (46. und 49. Minute) durch zwei verwandelte Strafecken mit 3:1 in Führung; dem folgte postwendend noch in derselben Minute der Anschlusstreffer zum 2:3 durch eine von Anton verwandelte Strafecke. Als aber dann die TGF in der 54. Minute nochmals durch eine Strafecke den alten Abstand wiederherstellte, nahm Thorben seinen Keeper raus und ersetzte ihn durch einen weiteren Feldspieler. Allein es sollte nur noch zu einem Tor durch Max K. reichen, womit die 3:4 Niederlage besiegelt war.
Thorben hatte kein gutes Spiel von uns gesehen, obwohl die Chancen reichlich waren. „Irgendwie war Frankenthal leidenschaftlicher als wir, sie haben den Sieg deutlich mehr gewollt.“ Deswegen geht das Ergebnis für ihn auch in Ordnung. Bei uns fehlte einfach die letzte Entschlossenheit.
Bei einem Sieg gegen die TGF hätten wir uns mit drei weiteren Punkten deutlich vom hinteren Tabellendrittel abgesetzt, hätten jetzt 13 Punkte und wären Tabellendritter. So aber reicht es nur zum 4. Tabellenplatz mit 10 Punkten und 17:10 Toren. Da unsere kommenden Gegner allesamt über gute Eckenschützen verfügen, wird unser Augenmerkt darauf zu richten sein, genau diese Strafecken zu vermeiden. Die bisherigen Spiele haben genau das gezeigt: lassen wir wenige Strafecken zu (SCC, Wespen, HCL und LHC) fallen auch wenig Gegentore gegen uns; werden wir aber leichtsinnig und unachtsam und bekommt der Gegner die Strafecken-Chance, kassieren wir auch die Tore; das TGF-Spiel hat es bewiesen: 8 gegen uns verhängte Strafecken führten zu 3 Toren; da können meist auch noch so gute Keeper nichts machen.
Aber sind wir auch nicht unzufrieden: 10 Punkte nach 6 Spielen hatten wir schon lange nicht mehr! Und deshalb fahren wir auch mit Zuversicht am kommenden Wochenende nach Berlin; auch dort gibt es Punkte mitzunehmen. Wir schaffen das!

Dr. Albert-Hugo Stinnes
02. Oktober 2017